NO. 4: MEIDE FERTIGPRODUKTE UND ZUSATZSTOFFE

NO. 4: MEIDE FERTIGPRODUKTE UND ZUSATZSTOFFE

FERTIGPRODUKTE

Nur noch in der Hälfte der deutschen Haushalte kommt täglich eine selbst gekochte Mahlzeit auf den Tisch. Stattdessen wird immer häufiger auf das stetig wachsende Angebot an Fertigprodukten zurückgegriffen. Konserven, Tiefkühlpizza, Tütensuppen, Komplettgerichte für die Mikrowelle, Backmischungen und Salat aus der Tüte lassen sich schnell und unkompliziert zubereiten. Doch leider sind sie oft alles andere als gesund.

Viele Fertigprodukte schaden unserer Gesundheit

  • Sie enthalten weniger Vitamine und Ballaststoffe als frisch zubereitete Speisen: Je weiter ein Lebensmittel verarbeitet ist, desto geringer ist sein Nährstoffgehalt. Wärmeempfindliche Nährstoffe, dazu gehören verschiedene Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe, schwinden durch Pasteurisieren, Sterilisieren oder eine längere Lagerung.
     
  • Sie enthalten deutlich mehr Fett und Kalorien: Fertigprodukte enthalten einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren und wenig gesunde ungesättigte Fettsäuren, weil diese meist teurer und leichter verderblich sind. Vor allem in frittierten Fertiggerichten können Transfette enthalten sein, deren fatale Folgen auf den menschlichen Stoffwechsel belegt sind.
     
  • Sie enthalten unnötig viel Zucker: Zucker ist nicht nur sehr günstig, er sorgt auch für Geschmack und Fülle und wird deshalb auch in Produkten eingesetzt, bei denen man es nicht vermutet. Wer regelmäßig zu viel Zucker zu sich nimmt, riskiert unter anderem Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen.
     
  • Sie enthalten oft zu viel Salz: Teilweise übersteigt der Salzgehalt einer Fertigmahlzeit schon die empfohlene Dosis für einen ganzen Tag. Zu viel Salz im Körper kann zu erhöhtem Blutdruck führen.
     
  • Sie enthalten diverse Zusatzstoffe: Viele verarbeitete Lebensmittel benötigen aus technologischen und sensorischen Gründen diverse Zusatzstoffe, die unserem Körper teilweise enormen Schaden zufügen können.

Eine Ausnahme gibt es allerdings: tiefgekühltes Obst und Gemüse schneidet unter ernährungsphysiologischen Aspekten sogar besser ab als Frischware, wenn diese zu lange und/oder unter ungünstigen Bedingungen gelagert wurde.

Über die gesundheitlichen Bedenken hinaus belasten Fertigprodukte die Umwelt. Je stärker ein Lebensmittel verarbeitet ist, desto mehr Energie wird für Herstellung, Transport und Lagerung verbraucht. Dazu kommt der Plastikmüll, der bei der Verpackung der Fertigprodukte anfällt.

 

ZUSATZSTOFFE

Zusatzstoffe sind gesetzlich definiert als Stoffe, die einem Lebensmittel aus technologischen Gründen bei der Herstellung, Verarbeitung, Zubereitung, Verpackung, Beförderung oder Lagerung zugesetzt werden. Ohne sie kommt kaum ein industriell gefertigtes Lebensmittel aus. Zusatzstoffe lassen sich mehreren Kategorien zuordnen und erfüllen verschiedenste Funktionen:

  • Antioxidationsmittel und Säureregulatoren verhindern Qualitätsverluste durch Reaktionen mit Sauerstoff und anderen Chemikalien und halten den benötigten pH-Wert des Produkts konstant.
     
  • Emulgatoren verbinden Stoffe, die sonst nicht miteinander mischbar sind (z.B. Öl und Wasser).
     
  • Farbstoffe gleichen die Farbe des Produkts an, damit es den Erwartungen des Verbrauchers entspricht.
     
  • Geschmacksverstärker sind chemisch hergestellte Substanzen, die den Geschmack und/oder Geruch von Lebensmitteln verstärken.
     
  • Konservierungsstoffe verhindern das Wachstum von Bakterien, Schimmel- und Hefepilzen und verlängern so die Haltbarkeit von Produkten.
     
  • Verdickungsmittel und Feuchthaltemittel sorgen für die gewünschte Konsistenz und geben Produkten ein angenehmeres Gefühl im Mund.
     
  • Zuckeraustauschstoffe werden als Zuckerersatz verwendet. Sie haben eine stärkere Süßkraft und weniger Kalorien als Haushaltszucker.


Viele Zusatzstoffe werden als gesundheitsgefährdend eingestuft

Einige Zusatzstoffe können zu Unverträglichkeiten oder Allergien führen, andere sogar schlimmere Krankheiten wie Krebs auslösen. Einige Beispiele:

  • Gelbe Farbstoffe färben z.B. gesalzene Knabbereien, Senf, Schmelzkäse, Marmeladen, Pudding, Getränke und Süßigkeiten. Tartrazin (E102) und Gelborange S (E110) sind vermutlich Auslöser für Asthma und Neurodermitis und gelten als allergieauslösend für Menschen, die empfindlich auf Aspirin und Benzoesäure (E210) reagieren. In Norwegen ist der Farbstoff E102 verboten. Der gelbe Farbstoff Chinolingelb (E104) steht sogar unter Krebsverdacht und ist in den USA, Japan und Norwegen verboten. Lebensmittel, die E102, E104 und E110 enthalten, können bei Kindern Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität auslösen und müssen daher den Hinweis „kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ tragen.
     
  • Rote Farbstoffe finden Verwendung in Fleisch- und Fischersatzprodukten aus pflanzlichem Eiweiß, Soßen, Süßigkeiten und Marmeladen. Neben der potenziellen Auslösung von Pseudoallergien wie Asthma oder Neurodermitis stehen die Farbstoffe Azorubin (E122), Cochenillenrot (E124) und Allurarot (E129) ebenfalls im Verdacht, Hyperaktivität bei Kindern auszulösen. Amaranth (E123 - der Farbstoff, nicht das Getreide) steht im Verdacht, die Nieren zu schädigen. In den USA ist dieser Farbstoff verboten, da Versuche an Tieren zeigten, dass er Krebs erregen kann.
     
  • Cola, Kuchen und Soßen verdanken braunen Farbstoffen ihre Farbe. In den USA müssen Lebensmittel mit Zuckerkulör (E 150) einen Warnhinweis tragen, der auf das potentielle Krebsrisiko hinweist. Die Zusatzstoffe Braun FK und Braun HT (E154 und E155) können in großen Mengen die inneren Organe schädigen.
     
  • Geschmacksverstärker erzeugen ein künstliches Hungergefühl und stehen entsprechend im Verdacht Adipositas zu fördern. Als Folge von Glutamat (E620 – E625) können zusätzlich Migräne, Magenschmerzen, Schläfendruck und Bluthochdruck auftreten.
     
  • Das Konservierungsmittel Schwefeldioxid (E220) wird häufig verwendet, um Trockenfrüchte und Fertiggerichte haltbar zu machen, kann allerdings Kopfschmerzen, Übelkeit und Durchfall verursachen. Nitrite (E249 und E250) werden vor allem von der Fleischwarenindustrie eingesetzt, um Fleisch umzuröten und zu konservieren. Diese Zusatzstoffe wirken gefäßerweiternd und blutdrucksenkend – das ist vor allem für Kleinkinder gefährlich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft verarbeitetes Fleisch wie Schinken oder Wurst, das durch Nitrite haltbar gemacht wurde, als krebserregend ein und rät entsprechend von ihrem Verzehr ab.
     
  • Das Süßungsmittel Aspartam (E951) löste in Tierversuchen Krebs aus und kann zu Kopfschmerzen und Gedächtnisverlust führen.
     
  • Die meisten Verdickungs- und Feuchthaltemittel sind unbedenklich. Carrageen (E407) und Konjak (E425) verringern allerdings die Nährstoffaufnahme.


Nicht alle Zusatzstoffe sind gesundheitsschädlich

Tatsächlich gelten etwa die Hälfte der Lebensmittelzusatzstoffe als unbedenklich, beispielsweise Farbstoffe auf pflanzlicher Basis wie Betenrot (roter Farbstoff aus der Roten Bete) oder natürliche Verdickungsmittel wie Johannisbrotkernmehl.

Für Bio-Lebensmittel sind 47 von 316 Zusatzstoffen zugelassen. Keines von ihnen stellt eine Gefährdung für die Gesundheit dar.
 

Die Zutatenliste verrät uns, was an Zusatzstoffen in einem Produkt enthalten ist

In der Zutatenliste eines Produkts müssen sämtliche verwendeten Zusatzstoffe aufgeführt werden, und zwar sowohl mit seiner Funktion im fertigen Lebensmittel (z.B. Süßungsmittel, Verdickungsmittel) als auch mit seinem chemischen Namen oder seiner E-Nummern. Bei den E-Nummern handelt es sich um einen in allen EU-Ländern einheitlich verwendeten Code, mit dem die von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffe nummeriert und gekennzeichnet werden. Derzeit sind es 316. Da von ihnen aufgrund ihrer hohen Wirksamkeit oft nur kleine Mengen benötigt werden, findet man sie in der Regel ganz am Ende der Zutatenliste.

Im Supermarkt sind übrigens kaum noch E-Nummern auf den Verpackungen zu entdecken, weil die Hersteller stattdessen gerne die ausgeschriebenen Namen der Zusatzstoffe verwenden. Diese klingen nämlich meist harmloser als die E-Nummern.
 

Möglichkeiten, um Zusatzstoffe zu vermeiden

  • Koche so oft wie möglich selbst und verwende frische, unverarbeitete Lebensmittel: Je weniger stark verarbeitet ein Lebensmittel ist, desto weniger Zusatzstoffe sind auch darin enthalten. Wenn Du gleich mehrere Portionen kochst, kannst du Dir Dein Mittagessen mit zur Arbeit nehmen und musst nichts beim Bäcker, im Imbiss oder im Supermarkt kaufen.
     
  • Wenn für eine frisch gekochte Mahlzeit mal keine Zeit bleibt, kannst Du auf tiefgekühltes Obst oder Gemüse zurückgreifen oder Produkte mit EU-Bio-Siegel kaufen. Bio-Fertiggerichte kommen nämlich mit deutlich weniger Zusatzstoffen aus.
     
  • Prüfe die Inhaltsstoffangaben auf der Produktpackung: Dabei helfen Dir die kostenlosen Apps E-Nummern-Finder des Bundeszentrums für Ernährung oder CodeCheck https://www.codecheck.info/ (mit praktischem Barcodescanner) – sie zeigen Dir an, ob eine E-Nummer bedenklich ist oder nicht.
     
  • Wenn Du im Restaurant oder Imbiss, beim Metzger oder Bäcker unsicher über die Inhaltsstoffe eines Gerichts oder Produkts sein solltest, frag einfach nach! Seit 2014 müssen auch sie schriftliche Informationen über die Inhaltsstoffe ihrer Produkte griffbereit haben. Zusätzlich muss auf einem Schild neben der Ware oder auf der Speisekarte vermerkt sein, ob Zusatzstoffe verwendet werden.

 

>> ZU NO. 3: VERWENDE FRISCHE, NATÜRLICHE PRODUKTE

>> ZU NO. 5: BEREITE DEIN ESSEN SCHONEND ZU